Samstag, 10. August 2013

Radar: Fenster

Ist es Zufall, wenn man zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist? Ist eine Aneinanderreihung von Zufällen dann doch Schicksal? Im Falle der Berliner Band Fenster wohl eher ein glücklicher Zufall. Als die New Yorkerin JJ Weihl und der in Berlin geborene Jonathan Jarzyna im Winter 2010 beschließen, in einem Studio in Steglitz ein paar Songs aufzunehmen, waren sie vorher noch nie Live aufgetreten, geschweige denn hatten sie einen Bandnamen. Der ergibt sich auf äußerst ulkige Art und Weise: während den Aufnahme-Sessions, knallt Sängerin JJ ein Fenster an den Kopf und zerbricht über ihr. Scherben bringen bekanntermaßen Glück und nachdem man ohnehin gerade auf Namenssuche war, machte es durchaus Sinn, sich nach dem Verursacher von Schock und Schmerzen zu benennen. Die Frage nach Zufall oder Schicksal lasse ich jetzt lieber mal außen vor, wurde schon genug ausgereizt, bietet sich aber auch in diesem Fall an.

Bei den, vom griechischen Produzenten Tadklimp geleiteten Aufnahmen wurde ein ganzes Sammelsurium an Instrumenten und Effekten eingesetzt. Von Synthesizern, Banjo, Bass und allerhand Percussion (unter anderem auch Schaufeln), bis zu gefiltertem Gesang und Gitarren aus der Echokammer verwenden sie alles was ihnen unter die Nase kommt, um ihren Lo-Fi Pop erwartungsgemäß umzusetzen. Bei ihren Live-Auftritten sind sie dafür bekannt, viele Instumentenwechsel durchzuführen und ihre Synthesizer auf Bügelbrettern zu platzieren. Um trotzdem ein funktionierendes Live-Set zu garantieren, haben sie Rémi Letournelle, zuständig für Percussion und Schlagzeug, in die Band aufgenommen. Kurz darauf wurden sie vom Label Morr Music (Sin Fang, Múm, Telekinesis!) unter Vertrag genommen, haben sich nochmal für 8 Tage mit Tadklimp in ihrem Steglitzer Studio verkrochen und sind ihrem Konzept treu geblieben. Was bleibt, ist der 2012 erschienene Tonträger Bones, der mit bedachter Songzusammenstellung, melancholischen Texten für große Lieder (erste Single: "Oh Canyon") und verträumten Sound punktet.

Ohne Übertreibung möchte ich es in die Welt herausposaunen: Fenster sind der Soundtrack der Gegenwart und ich wünsche ihnen weiterhin nur das Beste!





Für Freunde von: Junip, New Found Land, Steve Smyth

Offizielle Homepage von Fenster

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